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Nachruf

Prof. Siegfried Heiler

Campus Nord bei Sonnenuntergang © Ekkehart Reinsch

Siegfried Heiler ist einer der Gründerväter der Fakultät Statistik der TU (früher Universität) Dortmund, der einzigen Ihrer Art im ganzen deutschen Sprachgebiet. Ansonsten wird Statistik in Deutschland an vielen Fakultäten (Mathematik, Medizin, Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Psychologie) sozusagen nebenbei als Nebenfach gelehrt. Als aber Ende der 1960er Jahre in Dortmund die Etablierung der neben Bochum zweiten Ruhrgebietsuniversität anstand, nahm man sich ein Beispiel an amerikanischen Eliteuniversitäten, die alle ein eigenes Department of Statistics haben, und Siegfried Heiler war vom ersten Semester an als Vertreter der Fächer Statistik und Ökonometrie dabei. Er hatte als gelernter Volkswirt 1967 in Tübingen bei Heinrich Strecker über die Analyse der Struktur wirtschaftlicher Prozesse durch Zerlegung von Zeitreihen promoviert und war dann an die TU Berlin gewechselt. Dort war er maßgeblich an dem sogenannten Berliner Verfahren beteiligt, eine heute noch verwendete Methode zur Saisonbereinigung von Zeitreihen, die vielfach auch in der Praxis Anwendung gefunden hat. Dieses schon in der Promotion angeschnittene Thema Zeitreihenanalyse sollte dann auch zeitlebens den Fokus seiner wissenschaftlichen Interessen bilden. Neben Methoden der Saisonbereinigung legte Siegfried Heiler dabei auch Arbeiten zu – unter anderem – kausalen Filtern, Splinefunktionen bei der Schätzung von Spektraldichten oder zu der robusten Schätzung von ARMA-Modellen vor.

Nach der Habilitation 1970 bei Kurt Weichselberger arbeitete Siegfried Heiler noch kurz an der TU Berlin als Professor, ehe er einen Ruf an die Universität Dortmund annahm und am 14. Dezember 1972 die Ernennung zum Ordentlichen Professor erhielt. Zusammen mit Friedhelm Eicker (der erste Statistik-Professor in Dortmund), Franz Hering und Siegfried Schach war er Teil des Gründungsquartetts der damals so genannten „Abteilung“ Statistik. In Dortmund blieb er bis zum Jahr 1987, in dem er einem weiteren Ruf an die Universität Konstanz folgte, wo er bis zu seiner Emeritierung 2007 an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Statistik lehrte und auch am Konstanzer DFG-Sonderforschungsbereich 178: „Internationalisierung der Wirtschaft“ beteiligt war.

Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten nahm Siegfried Heiler auch die mit Wissenschaft verbundenen Infrastrukturaufgaben sehr ernst. Er war zweimal, von April 1975 bis Ende März 1976, und von April 1979 bis Ende März 1980, Dekan der Fakultät Statistik und von April 1980 bis Ende März 1981 deren Prodekan. Auch in der Deutschen Statistischen Gesellschaft war er sehr aktiv, so von 1980 bis 1988 als Leiter des Ausschusses „Statistische Theorie und Methodik“, und von 1988 bis 1992 als deren von den Mitgliedern gewählter Vorsitzender. Von 1992 bis 1996 blieb er der Deutschen Statistischen Gesellschaft weiter als stellvertretender Vorsitzender und danach als regelmäßiger Besucher der Statistischen Woche verbunden. An seinem 84. Geburtstag, am 20. Oktober 2022, ist er nach langer Krankheit verstorben. Seine Kollegen und Mitarbeiter an der TU Dortmund werden ihm für immer ein ehrenvolles Andenken bewahren.